philharmonisches orchester riehen
 

Majestätische Größe und leichtflüssige Brillanz

Herbstkonzert des Philharmonischen Orchesters Riehen.

Die Themse musste man sich dazu denken, die königlichen Gäste auch. Aber ansonsten entfaltete die musikalische Bootsfahrt auf dem Fluss in zwei Sätzen aus Händels "Wassermusik" beim Herbstkonzert des Philharmonischen Orchesters Riehen durchaus ihre majestätische Klangpracht und pompöse Wirkung. Unter Leitung von Jan Sosinski, der seit elf Jahren am Dirigentenpult für Schwung in diesem ambitionierten Amateurorchester sorgt, setzten die Musiker in der Ouvertüre und dem Satz "Alla Hornpipe" aus Händels D-Dur-Suite auf höfischen Prunk, Festlichkeit, tänzerische Verve und Blechbläserglanz – wie es sich gehört für eine barocke Huldigungsmusik, die vor genau 300 Jahren komponiert wurde.

Danach öffnete sich der Vorhang für das imaginäre Feenreich in Mendelssohns "Sommernachtstraum". Vier Sätze spielte das Philharmonische Orchester aus dieser zauberischen Musik zu Shakespeares Komödie. In der Ouvertüre beschwören die Streicher und Bläser die traumartige Atmosphäre, das Flirrende dieses Elfenspuks, den erhabenen Glanz des königlichen Paares Oberon und Titania, die derben Handwerker-Späße bis hin zu Zettels Eselsrufen mit großer Spielfreudigkeit und Farbigkeit. Dem Scherzo verleihen sie eine zauberhafte Leichtigkeit, etwas Schwebendes. Feinsinnig und zart, luftig und springlebendig wirkt dieser geheimnisvolle Spuk der Elfen im transparenten Spiel des Riehener Liebhaberorchesters, das viel Klangcharme verbreitet. Auch im Notturno, einem in warmen Glanz und romantischen Hörnerklang getauchten Stimmungsbild des nächtlichen Waldes, achtet Dirigent Sosinski auf ein durchsichtiges und differenziertes Klangbild. Umso mehr trumpfen die Musiker im berühmten Hochzeitsmarsch auf, der majestätische Größe, Pomp, Prunk und höfische Feierlichkeit ausstrahlt.

Hauptwerk dieses Programms, das nach einer öffentlichen Generalprobe in der Aula des Riehener Gymnasiums Bäumlihof – speziell gedacht als Angebot für jugendliche Zuhörer und Schüler – am Samstag im "Oekolampad" in Basel und am Sonntag im Landgasthof Riehen aufgeführt wurde, war Schumanns Klavierkonzert a-Moll op. 54. Für dieses Konzert, in dem das Soloklavier eng verzahnt und aufs Feinste verwoben ist mit dem Orchester, hatte man in Marret Popp eine formidable Solistin. Die in Riehen lebende Pianistin bringt für Schumann eine sensible Anschlagskultur und einen lyrischen Ton mit und vereint in ihrem Spiel Leichtflüssigkeit und Brillanz aufs Trefflichste. Das Zupackende in den einleitenden Akkorden liegt ihr ebenso gut und sicher wie die leichthändig, perlend und klar gespielten Passagen im bewegten Kopfsatz mit seinem schwärmerischen Thema und der schwierigen Kadenz. Lyrisch, versonnen, klangschön ausgehorcht ist Popps Spiel im kurzen Intermezzo, das attacca in das finale Allegro vivace übergeht. Glänzend gelingen der Solistin die schwelgerischen Motive, in unaufdringlicher Virtuosität gestaltet sie die lebhaften, leidenschaftlichen, schnellen Passagen. Auch das Zusammenspiel mit dem Orchester und das Wechselspiel zwischen Klavier und den solistischen Orchesterstimmen sind geprägt von der spürbaren Harmonie zwischen Pianistin und Orchestermusikern, die schon öfter zusammen gespielt haben. Von dieser Vertrautheit profitiert das Schumann-Spiel, das romantisch schwelgerisch, vorwärtsdrängend und bewegt im Klang ist und viel Frische und Elan ausstrahlt.

Roswitha Frey

Die Badische Zeitung vom 26. September 2017


Herbstkonzert Das Philharmonisches Orchester spielte Händel, Mendelssohn und Schumann

Symbiose von Klavier und Orchester

Mit Mendelssohn Sommernachtrstraum spielte das Philharmonische Orchester sein wohl bisher schwierigstes Werk und erreichte in Schumanns Klavierkonzert op. 54 eine faszinierende Einheit mit der Solopianistin.

Orchestergründer Bruno Haueter war im Gespräch mit Dirigent Jan Sosinski unmittelbar nach Beendigung des Konzerts im Landgasthof zu Tränen gerührt. «Eine solche Einheit von Klavier und Orchester habe ich noch nie gehört. Man hat gespürt, dass Robert Schumann einer war, der auf eine Weise komponierte wie von Gogh malte. Irgendwann verschmilzt alles miteinander und da ist nur noch die Musik», meinte er. «Ich habe beim Hören der Musik von Goghs Bilder vor meinem inneren Auge gesehen.»

Ensemblemitglied als Solistin

Diese ungelaubliche Harmonie des musikalischen Zusammenspiels sei wohl nicht zuletzt deshalb möglich gewesen, weil die Klaviersolistin Marret Popp als Geigerin auch Mitglied des Orchesterensembles sei, weshalb sie das Orchester sehr genau kenne, so Haueter, der sich stolz zeigte, dass Riehen heute über ein Sinfonieorchester dieser Qualität verfüge, als er den Anstoss zur Orchestergründung gegeben habe. Haueter, seit vielen Jahren Organist der Dorfkirche Riehen, war 2004 erster Dirigent des Orchesters gewesen, bis er 2006 den Taktstock an Sosinski hat.

In der Tat war es höchst bemerkenswert, wie behutsam die gut fünfzig Ensemblemitglieder bei der Aufführung von Schumanns Konzert für Klavier und Orchester in a-Moll (op. 54) auf den Dialog mit dem Klavier eingingen,diesem unter der behutsamen, lustvoll-gefühlbetonten Leitung von Jan sosinki Raum gaben, sich zurücknahmen, aber auch kraftvoll entgegneten, verspielt antoworteten und sich zum Abschluss hin nochmals verausgabten. Das Publikum war begeistert, feierte die Solistin Marret Popp für ihr hervorragendes Spiel und applaudierte minutenlang, bis es eine neue Zugabe bekam.

Begonnen hatte das Konzert mit der Ouvertüre (Allegro) und «Alla Hornpipe» aus Georg Friedrich Händels D-Dur Suite der «Wassermusik» (HWV 349). Beide Sätze sind sehr bekannt, gleichsam Gassenhauer der klassischen Musik, und wurden schwungvoll und kräftig vorgetragen. Die Bläser, insbesondere die Hörner, kamen hervorragend zur Geltung und das virtuose Paukenspiel faszinierte sichtlich die Jugend, die im Publikum bemerkenswert gut vertreten war.

Herausforderung Mendelssohn

Pièce de résistance des Herbskonzertes, das am vergangenen Sonntag im Saal des Landgasthofes Riehen über die Bühne ging, waren vier Sätze aus Felix Mendelssohn-Bartholdys «Ein Sommernachtstraum», Musik, die sich der junge Komponist 1926 schon als Siebzehnjähriger vorgenommen hatte. Noch als Teenager schuf er eine Ouvertüre zu William Shakespeares berühmter Komödie, später erhielt er den königlichen Auftrag, eine Schauspielmusik zum Stück zu schreiben. Neben der Ouvertüre spielte das Orchester das Scherzo, das Notturno und als krönenden Abschluss den virtuos und mit viel Gefühl vorgetragenen Hochzeitsmarsch.

«Das war das Schwierigste, was dieses Orchester bis jetzt gespielt hat», meinte Dirigent Jan Sosinski nach dem Konzert sichtlich stolz, «vielleicht nicht technisch, aber im Ausdruck, in der Art und Weise, wie die Gefühle sich in der Musik ausleben.» Sein Ziel sei es gewesen, dass das Orchester die Musik nicht einfach perfekt nach Noten spiele, sondern die in der Musik angelegten Gefühle zum Ausdruck bringe, und das sei in herausragender Weise gelungen, ganz besonders beim Hochzeitsmarsch. Und das mit einem Laienorchester, bei dem jeder noch einem Beruf nachgehe, die Proben nach Feierabend stattfänden.

Hinter den Kulissen

Überhaupt sei das Engagement der Orchestermitglieder ganz ausserordentlich - auch ausserhalb des eigentlichen Musizierens. Es gebe Leute, die sich um die Noten, die Logistik, den Transport, das Programmheft und auch um die zukünftigen Konzertprogramme kümmerten und schon auf Jahre hinaus seien ambitionierte Aufführungen in Diskussion und in Vorbereitung. Es sei eine Freude, auf diese Weise mit einem Amateurorchester arbeiten zu können.

Im ganzen Programm des Herbstkonzerts kamen, wie schon in jenem vom vergangenen Frühling, die Bläser besonders gut zur Geltung. Das Spiel der Bläser sei derart intensiv gewesen, dass diese in den Proben an ihre Leistungsgrenzen und darüber hinaus gekommen seien. Umso stolzer sei er, dass das Konzert auch in dieser Beziehung sehr gelungen sei, freute sich der Dirigent. Die Bläser teilten ihre Kräfte ein und hielten bis zum Ende durch.

Rolf Spriessler-Brander

Riehener Zeitung vom 29. September 2017



peppe design