philharmonisches orchester riehen
 

Große Klänge dürfen sich entfalten

Das Philharmonische Orchester Riehen gastierte erstmals im Lörracher Burghof.

So sehr nahm den jungen Brahms die Arbeit an seinem frühen Opus 15 mit, dass er sogar davon träumte. "Furchtbar schwer und groß. Ich war ganz begeistert", schrieb er in einem Brief an Clara Schumann über diesen Traum. Furchtbar schwer und groß ist es nach langwierigem Schöpfungsprozess wirklich geworden, dieses monumentale, sinfonisch angelegte erste Klavierkonzert d-Moll aus Brahms" Sturm- und Drangphase.

Mit diesem schwergewichtigen, alle gewohnten Dimensionen sprengenden Werk der Romantik gastierte das Philharmonische Orchester Riehen erstmals im Burghof Lörrach. Wie das 54-köpfige Regio-Orchester, in dem auch Musikerinnen und Musiker aus dem Badischen mitspielen, und die überragende Solistin Marret Popp den Kraftakt Brahms stemmten, war imponierend. Die besondere Herausforderung liegt darin, dass der Klavierpart stark im Orchestergeschehen aufgeht. Dass dies in weiten Zügen gelang, lag vor allem an der großartigen, differenzierten Gestaltungskunst der Pianistin und dem Bemühen des Dirigenten Jan Sosinski, dieses Klavierkonzert aus der sinfonischen Sicht heraus in großem Bogen zu entwickeln. Das düstere, auffahrende, dramatische Hauptthema lässt Sosinski in energisch-kraftvollem Gestus spielen. Es war aber auch hörbar, dass selbst ein so ambitioniertes Amateurorchester wie das Riehener, das sich in den acht Jahren seines Bestehens einen ausgezeichneten Ruf erworben hat, bei diesem enorm schwierigen Brahms im Zusammenspiel bis an die Grenzen gefordert wurde. Uneingeschränkte Bewunderung verdient die Leistung der Solistin. Marret Popp gestaltet dieses Mammutkonzert mit bewundernswert gefasster Konzentration, vehementem Zugriff und wirkungsvoller Brillanz im ausgedehnten Kopfsatz. Den gesanglichen Themen und lyrischen Gedanken verleiht sie empfindungsvolle Kantabilität. Gesammelter Ernst, große Ruhe, Wärme und Ausdruckstiefe geht von ihrem Spiel im zweiten Satz aus. Innig, mit feiner Anschlagskultur und schönem Ton, horcht sie dieses Adagio aus. Dass es ein persönlicher, intimer Satz von fast religiösem Charakter ist, wie die Pianistin im Programmheft schreibt, das macht Popp in ihrer gefühls- und gedankentiefen Interpretation hörbar.

Nach den kontrast- und konfliktreichen Gefühlskämpfen im ersten Satz und der tief gehenden Stimmung des Adagios beeindruckten die Musiker im Rondo-Finale in den dynamischen Steigerungen und romantischen, schwärmerischen Passagen mit vollem Streicherklang und weichem Bläserklang (schön das Horn). Auch in diesem Finalsatz überzeugte Marret Popp mit gelöstem Musiziergeist und brillant gemeisterten Solokadenzen. Der sehr lange, begeisterte Beifall, der eine Zugabe nach sich zog, sprach für sich.

In der folgenden, nicht so häufig aufgeführten Tschechischen Suite op.39 von Dvořák präsentierte sich das Philharmonische Orchester bei seinem Gastspiel über der Grenze in spürbar inspirierter Form. Jetzt hatte man als Zuhörer auch freien Blick auf den motivierend, federnd und präzise dirigierenden Jan Sosinski, der mit seinen Musikern sorgfältig und nuanciert das Kolorit, die Klangfarben und die teils vertrackten Rhythmen dieser auf böhmischen Volkstänzen beruhenden Sätze herausarbeitete. In den Gestaltungen der Tanzsätze hörte man, was für ein guter Orchestererzieher der Dirigent ist. Geschmeidig in der tänzerischen Bewegung, zart gewoben im Streichergespinst klang das Preludio. Auch in der Polka mit ihrem Stimmungs- und Tempowechsel zwischen ausgelassen-heiter und melancholisch und der melodiös gespielten Romanze nahm das Orchester mit schöner Klangkultur und warmem Streicherklang für sich ein. Das "Furiant"-Finale bot den Musikern dann Gelegenheit, noch mal akzentuiert an Temperament und Elan zuzulegen.

Badische Zeitung vom 25. September 2012



Konzert Philharmonisches Orchester in der Martinskirche

Tosender Applaus für das Geburtstagskind

Tosender Applaus in der Basler Martinskirche - soeben haben die Pianistin Marret Popp und das Philharmonische Orchester Riehen ihren Vortrag des Klavierkonzertes Nummer 1 d-Moll op. 15 von Johannes Brahms beendet. Der musikalische Leiter und Dirigent Jan Sosinski ist sichtlich zufrieden, begleitet die Solistin mehrmals auf die Bühne, um sich vor mehreren hundert Zuhöhern für den lange anhaltenden Applaus zu bedanken

Der Applaus ist verdient. Mit dem rund fünfzig Minuten dauernden dreisätzigen Werk, dem frühesten grossen Orchesterwerk von Brahm, hatte sich das Orchester eine grosse Aufgabe gestellt. «Die Proben waren lange harzig und wir stellten uns schon die Frage, ob das Stück nicht doch zu schwierig war», meinte Jan Sosinski nach dem geglückten Auftritt vom vergangenen Sonntag in der Martinskirche. Erst nach den Sommerferien sei ein Ruck durchs Orchster gegangen, plötzlich haben nun vieles zusammengepasst und der Auftritt von Marret Popp sei schlicht grossartig gewesen - sie habe sich an diesem Sonntag sozusagen selbst ein Geburtstagsgeschenk gemacht und das Orchester habe sie dabei hervorragend unterstützt

Marret Popp ist dabei sogar eine Solistin aus eigenem Boden. Die 1973 in Lübeck geborene Musikerin ist an Klavier und Flügel eine gefragte und geübte Solistin und erhielt mit diesem Instrument schon mehrere Auszeichnungen und Stipendien, im Riehener Orchester spielt sie aber normalerweise bei den Violinen mit. Im April 2006 trat sie schon einmal als Klavier-Solistin in Werken von Schumann und Mendelssohn auf. Ihre Affinität zu Brahms zeigt sich in einem Studienaufenthalt im Brahmshaus, das ihr die Brahms-Gesellschaft Baden-Baden ermöglicht hatte. Die Solistin und das äusserst konzentriert wirkende Orchester harmonierten gut und brachten die vielen Stimmungswechsel des mal düster, dann wieder feierlich-sakralen, dramatischen, sanft-verliebten und dann doch wieder fröhlichen Werkes gut zur Geltung.

Im Frühling die Rückkehr

Im zweiten Teil folgte, nun in der originalen Orchesterbesetzung ohne Soloinstrument, die Tschechische Suite op. 39 von Antonín Dvořák, eine in der barocken Tradition stehende Abfolge von fünf stilisierten Tanzsätzen. Das Orchester spielte entspannt und routiniert und rundete damit das Programm harmonisch ab.

Nachdem das diesjährige Herbstkonzert in Lörrach und in Basel aufgeführt worden ist, kehrt das Philharmonische Orchester Riehen im Frühling 2013 nach Riehen und spielt am Sonntag, 17. März, im Landgasthof Wolfgang Amadeus Mozarts Konzert für Horn Nr. 4 Es-Dur, KV 495 (mit dem Solisten Pascal Deuber) und Antonín Dvořáks Sinfonie Nr. 9 e-Moll, «Aus der neuen Welt». Im Herbst 2013 folgt dann ein Programm mit Jazz-Charakter in Zusammenarbeit mit dem Jazzmusiker Thomas Moeckel und seiner Band, für das Jubiläumsjahr 2014 hat sich das 2044 gegründete Orchester das Mozart-Requiem und ein grosses Beethoven-Konzert vorgenommen.

Rolf Spriessler-Brander

Riehener Zeitung vom 28. September 2013



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