philharmonisches orchester riehen
 

Ein ausgewogener Klangkörper

Das Philharmonische Orchester Riehen debütierte mit einem der Romantik gewidmeten Programm in der Dorfkirche

RIEHEN. Es ist immer ein besonderes Ereignis, wenn sich ein neu formiertes Orchester zum ersten Mal in einem Konzert vorstellt. Besonders der Konzertmeisterin Sarah Neher und dem Leiter Bruno Haueter-Martin, der als Dirigent unter dem Namen Brunetto d'Arco bekannt ist, ist es zu verdanken, dass im März dieses Jahres das Philharmonische Orchester Riehen als Verein gegründet worden ist und sich am Samstag mit einem anspruchsvollen, ganz der Romantik gewidmeten Programm in der Dorfkirche Riehen präsentieren konnte. Es erwies sich dabei als homogener und in den einzelnen Instrumentengruppen ausgewogener Klangkörper, dessen Mitglieder nicht nur über technische Fertigkeiten, sondern auch über eine mitreißende Begeisterung verfügen.

Max Bruchs einsätziges Werk „Kol Nidrei“ gehört zu seinen beliebtesten Kompositionen. Mit dem preisgekrönten Solisten Sebastian Uszynski am Cello wagte sich das Orchester an die Originalversion dieses Werkes, bei dem Bruch melodisch sowohl den traditionellen Bußgesang zum jüdischen Feiertag Jom Kippur als auch die englische Hymne „Oh Weep for Those that Wept on Babel’s Stream“ einarbeitete, wobei er elegische und hymnische Stimmungen plastisch gegeneinander stellte. Solist und Orchester gestalteten auch die großen Bögen des Werkes überaus lebendig, sehr intensiv wurden gerade die pathetischen Phrasen gestaltet.

Geradezu bildlich meinte man die stimmungsvolle Fingalsgrotte vor sich zu sehen, die Felix Mendelssohn-Bartholdy zu seinem sinfonischen Gedicht „Die Hebriden“ inspirierte. Sehr einfühlsam gestaltete das Orchester die großen Steigerungen und Decrescendi, arbeitete die Höhepunkte pointiert heraus, wobei immer außerordentlich diszipliniert musiziert wurde. Dass gelegentlich vor allem bei den Bläsern die Einsätze nicht optimal waren, konnte den Gesamteindruck nicht trüben.

Die Harfenistin Anne-Sophie Kurt und Sebastian Uszynski interpretierten differenziert und nuanciert das Bild des Schwans aus Camille Saint-Saëns „Karneval der Tiere“, wobei Uszynski die ruhige, intensiv gestaltete Cello-Kantilene sanft auf die perlenden, das Wasser beschreibenden Harfenläufe setzte. Die Begeisterung war derart groß, dass der Satz wiederholt werden musste.

Im Alter von nur 18 Jahren komponierte Franz Schubert seine dritte Sinfonie in D-Dur, die sich nach dem mächtigen Anfangsakkord zu einem heiteren, mitunter neckischem Werk entwickelt. Fast schon kammermusikalisch gestaltete das Orchester das Allegretto, während im abschließenden Presto vivace auch sehr virtuose Läufe souverän gemeistert wurden. Dabei wurde das Werk jederzeit klar gegliedert, blieb der Orchesterklang auch in den lauteren Passagen jederzeit durchsichtig. Der große, beeindruckte Applaus zeigte, dass Riehen zu Recht, wie es Gemeindepräsident Michael Raith vor dem Konzert formuliert hatte, stolz sein kann, jetzt wie Berlin oder New York auch über ein Philharmonisches Orchester zu verfügen.

Grischa M. Freimann

Badische Zeitung vom 21. September 2004




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