philharmonisches orchester riehen
 

Ein prachtvolles Klangerlebnis

Von Gottfried Driesch Lörrach. Mit Feuer und gleichzeitig großem Einfühlungsvermögen erklang am Freitag in der voll besetzten katholischen Kirche St. Bonifatius das Requiem KV 626 von Wolfgang Amadeus Mozart. Das bestens disponierte Philharmonische Orchester Riehen in Verbindung mit dem Projektchor Basel und seinem exquisiten Solistenquartett machte die Aufführung zu einem vollendeten Genuss. Mozarts Requiem ist eigentlich ein unvollendetes Werk, da Mozart während der Komposition 1791 verstarb. Mozarts Schüler Franz Xaver Süßmayr versuchte, im Auftrag von Constanze Mozart, der Witwe des Komponisten, das Werk ganz im Stile und im Sinne von Mozart zu vollenden. Wie immer bei solchen postumen Nachkompositionen streiten sich seither die Musikwissenschaftler, wie „authentisch“ diese nachkomponierten Stellen sind. Im Jahre 2005 hat Franz Beyer eine neue Ausgabe des Requiems vorgelegt, in der die Instrumentierung durchsichtiger gehalten wurde. Der Dirigent Jan Sosinski hat sich für die Fassung von Beyer für die jetzige Aufführung entschieden. Bereits die ersten Takte der Introduktion wurden sehr innig gespielt. Präzise setzte der etwa 50-köpfige Chor ein. Sosinski ist für die Riehener Philharmoniker ein Glücksfall. Energiegeladen, mit großer Dynamik und lebhaften Tempi, lotete er die Partitur voll aus und kam zu einer überzeugenden Deutung. Jeder Einsatz, jeder Tempowechsel gelang auf Anhieb. Ebenbürtig dem Orchester zur Seite stand der Basler Projektchor unter der Leitung von Simon Reich. Chor und Orchester folgten höchst aufmerksam dem Dirigenten und reagierten umgehend auf die Zeichengebung. Das Solistenquartett beeindruckte mit einer schönen Ausgewogenheit. Die Sopranistin Jessica Jans setzte ihre leuchtende Stimme frei schwingend ein. Mit einer auffällig hell timbrierten Stimme wartete die Altistin Silke Gäng auf, wodurch ihr in der Tiefe etwas die Tragkraft fehlte. Über einen strahlenden und glänzenden Tenor verfügte Jakob Pilgram. Ernst Buscagne, Bass, gab dem Quartett mit seiner metallischen Stimme ein eindrucksvolles Fundament. Zusammenfassend kann man sagen, dass diese Aufführung einen bleibenden Eindruck hinterließ. Das Konzert wurde am Samstag in der Theodorskirche in Basel und am Sonntag in der kath. Kirche in Liestal wiederholt. An dieser Stelle sei noch ein Hinweis auf das Jubiläumskonzert „10 Jahre Philharmonisches Orchester Riehen“ gestattet. Am 27. September erklingt im Landgasthof Riehen unter anderem das Tripel-Konzert op. 56 von Ludwig van Beethoven. Die Solisten sind Marret Popp, Klavier, sowie die aus Weil am Rhein stammenden Schwestern Amelie Gehweiler, Violine, und Isabel Gehweiler, Violoncello.

Die Oberbadische vom 30. März 2014


Voller Dynamik und Nuancen

Mozarts Requiem in Lörrach, Basel und Liestal.

Mozart konnte sein Requiem nicht vollenden; er starb, während er daran arbeitete; Franz Xaver Süßmayr schrieb die fehlenden Sätze Sanctus, Benedictus und Agnus Dei neu, unter Verwendung von Mozarts Musik. Seither haben verschiedene Musiker die Stimmführung von Süssmayrs Instrumentation verbessert; in der vollbesetzten Lörracher St. Bonfatius-Kirche kam am Freitag Franz Beyers Fassung (2005) zur Aufführung. Ausführende waren ein Basler Projektchor (Leitung: Simon Reich), das Philharmonische Orchester Riehen und vier Gesangssolisten. Die Leitung hatte Dirigent Jan Sosinski auf. Und der verdient ein Sonderlob. Seine klare, energische Gestik hielt alle ausführenden Kräfte zusammen. Bereits beim Introitus fiel die dynamische Differenzierung auf, die er während der ganzen Aufführung erreichte. Bei Fugen (wie "Te decet hymnus" oder "Osanna in excelsis") waren alle Einsätze bei leichten Begleitstimmen sehr gut herauszuhören. Selbst Schlusstöne waren voller Dynamik; nie wurden sie abgebrochen.

Auch wenn der Chor und das Orchester Amateurformationen sind, standen sie professionellen Gruppen in keiner Weise nach. Die Spitzentöne der Chorsoprane zum Beispiel kamen präzise und rein zur Geltung, die klangliche Balance im Chor und Orchester war voll ausgewogen. Die kleine Gruppe der Holzbläser – zwei Bassetthörner (tiefe Klarinetten in F) und zwei Fagotte – war selbst bei vollem Tutti gut hörbar, die Blechgruppe (drei Posaunen sowie zwei Trompeten und Pauken) integrierte sich bestens.

Solisten mit einem modernen Gesangsstil

Es war eine Freude, die Gesangssolisten Jessica Jans (Sopran), Silke Gäng (Alt), Jakob Pilgram (Tenor) und Ernst Buscagne (Bass) einzeln und als ausgeglichene Gruppe zu hören. Alle vier zeigten sich intonationssicher mit einem modernen Gesangsstil, bei dem das Vibrato sparsam eingesetzt wurde. Am Anfang der kantablen Arie "Tuba mirum spargens sonum" wirkten Bassist Buscagne und Tenorposaunist Eric Foillot aus einem Guss. Im weiteren Verlauf sangen nacheinander Tenor, Alt und Sopran, um schließlich bei "Cum vix justus sit securus" einen modellhaft kleinen Chor zu bilden.

Alle Sänger, Solisten wie Chor, artikulierten ihre Texte verstehbar und prägnant. Lediglich die jeweils zwei Achtelnoten in den Violinen bei "Lacrimosa" wurden manchmal durch ein kleines Glissando verbunden, und zu Beginn des Offertoriums war der vom Chor gesungene Text nicht immer verständlich. In den beiden weiteren Aufführungen am Wochenende in Basel und Liestal wurden diese Defizite vermutlich verbessert.

Bei "Rex tremendae" fiel auf, dass der von den Posaunen unterstützte Chor und das Orchester die ersten beiden Textzeilen flächig und fortissimo ausführten, um die dritte Zeile sofort pianissimo zu intonieren. Ähnlich starke Kontraste herrschten später bei "Confutatis", wo in der ersten Hälfte das Orchester sehr expressiv interpretierte und in der zweiten eine fließende Ruhe die Oberhand gewann. Diese dynamische, nuancenreiche Wiedergabe ist dem Dirigenten zuzuschreiben, dem die Ausführenden hervorragend folgten.

Badische Zeitung vom 31. März 2014


Philharmonisches Orchester Riehen Mozarts Requiem d-moll KV 626 in Liestal

Mozart mit Profil

Die Gemeinschaftsproduktion des Philharmonischen Orchesters Riehen mit dem Basler Projektchor hat am Wochenende für volle Kirchen gesorgt.

Ein 42-köpfiges Orchester, ein 47-köpfiger Chor, vier Solisten und Mozarts Requiem? Das klingt gut. Eine halbe Stunde vor Konzertbeginn strömte das Publikum am Sonntag trotz Fasnachtsbummel denn auch in Scharen in die katholische Kirche in Liestal. Bereits am Freitag in Lörrach und am Samstag in Basel hatte der Zuschauerandrang die kühnsten Erwartungen der Mitwirkenden übertroffen.

Das Werk 626 im Köchelverzeichnis entstand im Jahre 1791. Es gehört nicht nur zu den am höchsten eingeschätzten Werken Mozarts. Dank der vielfältigen Verwendung als Filmmusik ist es auch eines der beliebtesten. Mozart hielt sich an die übliche Textgestalt des Requiems. Während des Kompositionsprozesses erkrankte er allerdings schwer und verstarb. Der Vollendung des Auftragswerks nahmen sich auf Wunsch der Witwe Constanze Schüler Mozarts an, namentlich Joseph Eybler und insbesondere Franz Xaver Süssmayr, der darin Motive Mozarts fortführte.

Dynamischer Chor

Das Philharmonische Orchester Riehen und der Basler Projektchor stützten sich für ihre Darbietung auf Überarbeitungen von Franz Beyer und Korrekturvorschläge von Ernst Hess, beide aus dem 20. Jahrhundert. Der vierstimmige Projektchor, eine Amateurformation mit Leiter Simon Reich, wurde seiner zentralen Rolle gerecht. Unter der gleichermassen wachen wie dynamischen Führung von Orchester-Dirigent Jan Sosinski entfaltete er in der Akustik des Kirchenschiffs eine Kraft, die Hühnerhaut hervorrief. Besonders glanzvoll etwa im «Kyrie», tosend im «Dies irae», im «Lacrimosa» mit seiner Amen-Kadenz und im flotten «Communio» zum Schluss. Dass dabei auch die Nuancierung nicht auf der Strecke blieb, zeigte sich gut im «Confutatis» mit seinen sanften Frauenstimmen, dem verhaltenen «Salva me» oder dem präzise gesetzen «Qua resurget ex favilla».

Kongeniale Orchesterbegleitung

Das Philharmonische Orchester Riehen hatte dabei eine eher dienende Rolle inne. Rein instrumentale Passagen waren begrenzt. Die Musiker, Amateure auch sie, spielten jedoch mit Verve und ergänzten den Chor kongenial. Eindrücklich das Flattern der Violinen im «Dies irae» zum Text «Quantus tremor est futurus» («Was für ein Zittern wird sein» – gemeint ist vor dem jüngsten Gericht). Die originalgetreue Besetzung ohne hohe Holzbläser und Waldhörner, dafür mit Fagotten und Bassethörnern, verstärkte intentionsgemäss die düstere Grundstimmung des Werks. Die Pauken und Trompeten sorgten für Dramatik.

Hinter dem Chor traten die Passagen der professionellen Vokalsolisten ebenfalls zurück. Arien fehlten gänzlich. Die Einsätze fanden sich vornehmlich im Ensemble. Etwas grössere Solostellen bot lediglich das «Tuba mirum». Der nie gepresste, voll klingende Bass des gebürtigen Südafrikaners Ernst Buscagne leitete dieses ein. Tenor Jakob Pilgram bestach durch Helligkeit. Die Mezzosopranistin Silke Gäng überzeugte mit ihrem schnörkellosen dunklen Alt, besonders schön etwa im «Recordare». Kraftvoll und klar wiederum gestaltete Jessica Jans den Sopran.

Für eine Überraschung zum Schluss sorgte Chormitglied Felix Wahl. Er beschenkte die Solisten, den Dirigenten und den Chorleiter sowie die beiden Präsidentinnen Louise Hugenschmidt (Orchester) und Sonja Santschi (Chor) mit Anisbrötli aus dem eigenen Ofen. Aber auch das Publikum durfte zugreifen. Das selbst kreierte Motiv stand für das Erlebnis des Abends: Mozart mit Profil.

Magdalena Mühlemann

Riehener Zeitung vom 4. April 2014




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