philharmonisches orchester riehen
 

Eine Stimme aus einer anderen Sphäre

Das Philharmonische Orchester Riehen spielte in Schopfheim.

Melodiös und strahlend beginnt Mozarts Konzert für Horn und Orchester in Es-Dur. Die Musik ist ein Fest. Man möchte denken: Wie viel ärmer wäre die Welt ohne die Werke des Wolfgang Amadé. Es gelingt dem Philharmonischen Orchester Riehen unter der Leitung von Jan Sosinski und dem 1992 geborenen Hornisten Pascal Deuber die überirdische Schönheit von Mozarts Musik aufleuchten zu lassen. Ruhig und weich, wie eine Stimme aus einer anderen Sphäre, erklingt das Horn im ersten Satz, dem Allegro. Die Phrasierung ist klar herausgearbeitet, das ist Mozart, unverwechselbar. Gedämpfter ist der zweite Satz, das Andante. Die Musik ist tiefes Gefühl, mit Worten schwer zu benennen. Leichtfüßig und mit spielerischen Echos der letzte Satz, Allegro Vivace. Es holt den Zuhörer zurück in den repräsentativen Konzertsaal der Waldorfschule Schopfheim mit der guten Akustik.

Völlig anders die Symphonie Nr. 9 e-Moll "Aus der Neuen Welt" von Antonín Dvořák, die, im Zeitalter der Romantik, 100 Jahre später entstanden ist. Hier kontrastieren leise Töne mit wildem Fortissimo, die Musik schwillt an und wieder ab. Mit dem ersten Satz erleben die Zuhörer Düsternis und jähe Ausbrüche. Das Philharmonische Orchester Riehen spielt die schnellen Sätze der Sinfonie rasant und trotzdem sehr genau. Es ist zu ahnen wie viel Probenarbeit der Aufführung vorangegangen ist. Dieses erstaunliche, "nur" aus Laienmusikern bestehende Orchester könnte manchem großem Berufsorchester das Wasser reichen.

Getragen und sehr lyrisch ist der zweite und mit fast 20 Minuten Spieldauer, der längste Satz. Die in Amerika entstandene Komposition entfaltet hier am deutlichsten ihr amerikanisches Kolorit. Dvorák hat Elemente aus den Liedern der schwarzen Plantagenarbeiter und aus der Musik der Indianer übernommen. Tatsächlich erscheinen vor dem inneren Auge weite Prärielandschaften mit Gräsern, die sich im Wind bewegen, ein wolkenloses Himmelzelt, das in klarem Blau eine friedliche Neue Welt überspannt.

Dvořák war 1891 vom New Yorker National Conservatory of Music verpflichtet worden und sollte eine Art nationale, typisch amerikanische Musik entwickeln, die sich von der europäischen Klassik abhebt. Dvořák studierte für seine Komposition Indianermelodien und Lieder der Schwarzen Bevölkerung. "Ich bin jetzt überzeugt, dass die zukünftige Musik dieses Landes auf dem basieren muss, was man Negerlieder nennt. Das muss die wirkliche Grundlage einer jeden ernsthaften und eigenständigen amerikanischen Schule der Komposition sein. Diese schönen und vielfältigen Lieder sind das Produkt des Landes. Sie sind amerikanisch", schrieb Dvořák, der für mehrere Jahre nach Amerika übergesiedelt war, im Jahre 1893. Die Sinfonie "Aus der Neuen Welt" wurde zu Dvoráks berühmtestem Werk und zu einer der bis heute am häufigsten aufgeführten Sinfonien überhaupt. Hier werden Dvořáks Anleihen bei den Liedern der amerikanischen Plantagenarbeiter und bei der Musiker der Indianer am Deutlichsten.

Badische Zeitung vom 18. März 2013



Philharmonisches Orchester Mozarts Hornkonzert und Dvořáks «Aus der neuen Welt»

Zartes und Wuchtiges aus Alter und Neuer Welt

Eins vorneweg: Das Konzert des Phiharmonischen Orchesters Riehen im praktisch vollbesetzten Saal des Landgasthofs war ein voller Erfolg. Ob es an der aparten Musik von Mozarts Hornkonzerts, dem jugendlichen, der mitreissenden Symphonie Dvořáks «Aus der neuen Welt», die streckenweise an einem Abenteuerfilm-Soundtrack gemahnt, der Begeisterung des Dirigenten oder dem gekonnten Spiel der Musikerinnen und Musiker liegt, ist schwer zu sagen. Doch der Reihe nach.

Hulding an das Horn

Wolfgang Amadeus Mozarts Konzert für Horn und Orchester Nr. 4 Es-Dur KV 495 ist eine wunderhübsche Huldigung an ein Instrument, das sich des Öfteren nur mit kurzen Solopassagen begnügen muss. Der junge preisgekrönte Hornist Pascal Deuber wiederum würdigte die Ehre mit seinem faszinierenden Spiel. Wie heiter und doch feierlich das Horn im Allegro moderato klang und wie ausdruckvoll, als das ganze Orchester schwieg; mit welcher Leichtigkei Deuber seinen Instrument die reinsten Töne beim atemberaubenden Tempo des Rondo (Allegro vivace) entlockte, war beeindruckend. Ebenso das Spiel der Streicher, die alle leisen Stellen des Hornisten mit dem ihrerseits zartesten Piano begleiteten.

Nach euphorischem Applaus betrat Dirigent Jan Sosinski wieder die Bühne und blickte mit einem Zuverischt spendenden Blick in die Orchesterrunde, der sogleich erahnen liess, dass hier nicht nur die Instrumente gut gestimmt sind. Die aussergewöhnliche und nicht leicht zu spielende Musik der Symphonie Nr. 9 e-Moll «Aus der Neuen Welt» von Antonín Dvořák wurde von den Musikerinnen virtuos und mit grossem Ausdruck interpretiert. Wenn auch der allererste Piano-Einsarz der Streicher und Bläser etwas unsicher klang, war dies beim raschen Übergang zu Paukenschlägen und monumentaleren Bläserpassagen schnell vergessen. Überhaupt scheinen die Bläser - die es in diesem Stück Musik am schwierigsten haben - eher die Forte- als die Piano-Stellen zu beherrschen. Die paar unsauberen Einsätze fielen aber nur deswegen auf, da die Bläser die meiste Zeit bravourös und nahezu makellos spielten. Die Leistung wurde während des Schlussapplauses mit einer Extra-Ovation des Dirigenten honoriert.

Imaginärer Ritt durch die Prärie

Dass Dvořáks Symphonie in den USA - eben der Neuen Welt entstanden ist, ist hörbar. Volksliedähnliche Melodien, bei denen insbesondere die Oboen brillieren konnten, wechseln mit Spiritual-Anklängen ab. Vor dem inneren Auge zieht die Prärie vorbei: Gesänge der Ureinwohner scheinen zu erklingen. Bereits der erste Satz endete so trumphal und ausdrucksvoll, dass einige wohl gerne spontan geklatscht hätten. Der lebhafte zweite und der monumentale dritte Satz oder vielmehr das mitreissende Spiel des Orchesters behielt die Spannung spielend. Fast schien das Publikum bei spannenden Passagen die Luft anzubehalten, um dann gemeinsam mit dem Musikern gelöst zu lächeln.

Auf den begeisteterten Applaus folgte eine charmante kurze Rede der Präsidentin Louise Hugenschmidt, die sich beim ganzen Orchester, bei der Konzertmeisterin Brigitte Kassubek und besonders herzlich beim Dirigenten bedankte. Wie er alle mitreisse und die Hoffnung nie aufgebe, dass man es schaffe. «Es ist fast unglaublich, dass er es geschafft hat!», meinte die Präsidentin lachend. Unglaublich, aber wahr, ist hier hinzuzufügen.

Michèle Faller

Riehener Zeitung vom 21. März 2013



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