philharmonisches orchester riehen


Leichtflüssige Eleganz dank differenzierter sinfonischer Feinarbeit

Das Philharmonische Orchester Riehen weihte unter Jan Sosinksis Leitung den renovierten Saal des Landgasthofes mit einem Mozart-Programm ein.

Mozart zum Frühlingsanfang: Das passt doch perfekt. Bläserischer Klangcharme, moussierend und perlend wie Champagner, sinfonische Klänge von schier übersprudelndem Einfalls- und Ausdrucksreichtum. Dass die in so leichtflüssiger Eleganz und scheinbarer Leichtigkeit daherkommenden Mozart-Werke aber alles andere als leicht zu spielen sind, sondern differenzierte sinfonische Feinarbeit verlangen, das beherzigte das Philharmonische Orchester Riehen bei seinem Mozart-Programm zur Wiedereinweihung des renovierten Saals im Landgasthof Riehen.

In diesem ambitionierten Regio-Orchester, in dem auch einige Musikerinnen und Musiker aus dem Badischen mitspielen, wird ein federnd vitales, klangschönes, schlankes und transparentes Mozart-Spiel gepflegt. Frisch und zupackend erklang unter dem Dirigat von Jan Sosinksi schon die Ouvertüre zu "Cosi fan tutte". Der aus Polen stammende Dirigent mag es spritzig, sprudelnd - mit Verve und mit Herz. Sein Orchester folgt ihm an allen Streicher- und Bläserpulten hoch motiviert und klangpräzise.

Eine wahre Perle in diesem Konzert war die Sinfonia concertante für Oboe, Klarinette, Horn und Fagott mit vier exquisiten Solisten aus dem Raum Basel. Es war ein Hörvergnügen, mit welcher Spiellaune, nobler Bläserkultur, Intonationsreinheit und delikaten Farben die Solisten diese Sinfonia auskosteten. Der Oboist Rudolf Duthaler, der Klarinettist Wenzel Grund, der Fagottist Tomas Sosnowski und der Hornist Thomas Müller überboten sich schier an kantabler Tongebung, Klangschönheit und nuancierten Farbschattierungen im Mittelsatz, an geschmeidiger Virtuosität, Esprit und animiertem Spiel im Allegro und im Variationensatz mit seinen quirligen Passagen. Wie in einem munteren Gespräch agierten die vorzüglichen Bläsersolisten auch im Zusammenspiel mit dem Orchester. Das klang artikulatorisch so lebendig, so sprühend, nobel und detailgenau ausgehört in den Bläserstimmen, mit so viel bläsertechnischer Souveränität und Eleganz, dass es eine pure Wonne war. Dass nach neuen Erkenntnissen die Autorenschaft Mozarts bei dieser Sinfonia concertante angezweifelt wird, schmälerte das Vergnügen an diesem Stück nicht im Geringsten.

Wie sorgfältig in diesem vergleichsweise jungen Orchester gearbeitet wird, das es erst seit sieben Jahren gibt, das sich aber längst in die erste Liga der regionalen Amateur-Orchester gespielt hat, hörte man auch in der Interpretation der "Linzer" Sinfonie KV 425 - eine in nur sechs Tagen komponierte Sinfonie, die bei allem Glanz des Strahlend-Heiteren auch Elegisches, Schwermütiges in sich birgt. Wohl wissend nimmt das Orchester Mozart nicht auf die leichte Schulter, sondern bringt diese Sinfonie mit aller nötigen Einfühlungskraft, Ausdruckstiefe, aber auch sehr direktem, anspringendem Musizierschwung und klarem Mozart-Klang zur Wirkung. Schön gestaltet wurde die langsame Einleitung. Auch die Stimmungskontraste ging Dirigent Sosinksi spannungsvoll, mit zupackender Geste und frischem Tempo an, kraftvoll und energisch im Tutti. Weicher Streicherklang, klare, präsente Bläsereinsätze, zarte Empfindsamkeit prägten das pastorale, liebliche Andante, dem Trompeten und Pauke etwas Feierliches mitgeben. Leichtfüßig kam das Menuetto daher und im Presto-Finale trumpften die Musiker mit Vitalität und Orchesterbrillanz auf. Nach diesem bemerkenswerten Mozart-Abend darf man sich schon auf das nächste Projekt des Riehener Orchesters freuen: im September im Lörracher Burghof mit Brahms und Dvorák.

Badische Zeitung vom 28. März 2012



philharmonisches orchester Riehener Orchester trat im Landgasthofsaal auf

Eine Aura von Frühling mit Mozart

Viel Betrieb am Sonntag rings um den Landgasthof Riehen. Erfreulich dannder Publikumsaufmarsch im grossen Saal, der um fünf Uhr praktisch vollbesetzt war. Angelockt wurden dieMenschen mit dem Konzert des Philharmonischen Orchesters Riehen, das ausschliesslich Werke von Wolfgang Amadeus Mozart präsentierte. Im vorzüglichgestalteten Programmheft schreibt die Präsidentin des Orchesters Louise Hugenschmidt: «Diese Musik, die so leichtfüssig daherkommt, die unseren Ohren so vertraut ist, deren Melodien man weitersingen könnte, ohne sie zu kennen, diese Musik ist grossartig und reich.» Richtigerweise weist sie darauf hin, dass es gilt, die Emotionen «hinter» der Notenschrift herauszulesen oder herauszufühlen. Das war natürlich der Auftrag, den die Musiker, ein 2004 gegründetes Laienorchester, hier an diesem Frühlingstag mit Spiellust und Eifer erfüllten.

Eher harmloser Auftakt

Ausgerechnet etwas vom Schwierigsten, das es für einen Konzertauftakt geben kann, wurde hier für die Eröffnung gewählt. Ein knapp sieben Minuten dauerndes Stück, mit kurzatmigen Themen und gedrängter, wirbliger Klanglichkeit, das sich vorwiegend «presto» im Raum entfalten sollte: die Ouvertüre zur Oper «Così fan tutte», KV 588. Was wie ein Aufwecken aller Lebensgeister hätte gespielt werden müssen, um das Fehlen der optischen Theateraura vergessen zulassen, hörte sich in dieser gemässigten Spielart zu harmlos an.

Die zweite Programmnummer, die «Sinfonia concertante Es-Dur für Oboe, Klarinette, Horn und Fagott», KV 297, war dazu angetan, mit dieser unterhaltsamen Spielmusik, erfüllt von viel Schönklang, so richtig auftrumpfen zu können. Mozart gesellte diesem Opus die im Titel geforderten Soloinstrumente bei und ersann für die beiden Parteien herrlich dialogische Musik. Die Bläser bekamen auch Gelegenheit, mit schönen Soli zu brillieren. Das war im sanglichen Adagio der Fall und dann insbesondere im Finale, einem Variationssatz über ein Thema. Als Dirigent gab der seit 2006 das Orchester leitende Jan Sosinski mit klaren Zeichen seine gestalterischen Absichten kund. Beherzter und geschmeidiger nun die Artikulationspalette, ein Schritt zur beschwingten Geniessermusik. Kleine Sünden - zu wenig ausgeformter Streicherton und gelegentliche Unebenheiten - sollen vergeben sein.

Souveräne Solisten

Souverän und von reifer Gelassenheit der Auftritt der Solisten. Störend für das Gesamtbild war, dass sie vorne an der Rampe stehend den Dirigenten verdeckten, der deshalb zu nahe an das Orchester heranrücken musste. Als Oboist kann Rudolf Duthaler auf eine erfolgreiche Konzerttätigkeit zurückblicken. Auffallend der volle runde Ton seiner Oboe. Der Klarinettist Wenzel Grund ist ein gefragter Gast bei renommierten Ensembles und unterrichtet an der Riehener Musikschule. Der Hornist Thomas Müller betätigt sich als Dozent an der Schola Cantorum Basiliensis, und die Auftritte des Fagottisten Tomas Sosnowski umfassen Konzerte an internationalen Festivals, solistisch auch bei Radio- und Fernsehaufnahmen. Das beifallsfreudige Publikum klatschte nach diesem Hörvergnügen ausdauernd und herzhaft.

Nach der Pause die von Mozart 1783 für den Musikverein Linz in drei Tagen «über Hals und Kopf» geschriebene und geprobte Sinfonie Nr. 36 C-Dur «Linzer» KV 425 in drei Sätzen. In der Interpretation nicht durchwegs frei von unausgeglichenen Klangbildern, musizierte das Orchester recht entspannt und vermochte alles in allemeinen sich nicht extrem steigernden Furor durchzuhalten. Als bodenständig musikalische Fahrt entwickelte sich das Menuetto, schwungvoll in der Steigerung auch das abschliessende Presto. Wiederum kräftiger Beifall. Heiter und frühlingshaft gingen die BesucherInnen nach Hause oder verlustierten sich am Apéro.

Es soll nicht vergessen sein, dass Mozart in weniger als 36 Lebensjahren sein gewaltiges Werk geschaffen hat. Er starb in bitterer Armut. Dem Trauerzug zu seiner Beerdigung folgten nur wenige Menschen. Versenkt wurde er in einem Massengrab.

Paul Schorno

Riehener Zeitung vom 30. März 2012



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