philharmonisches orchester riehen


Das Philharmonisches Orchester Riehen erstmals unter Dirigent Jan Sosinski

Ein grosser Schritt vorwärts

«Dort hinten steht unser lieber Gründer des Orchesters, Bruno Haueter», rief der neue Dirigent Jan Sosinski beim Apéro im Meierhof durch den Saal und forderte die Gäste zum Applaus für den abgetretenen Dirigenten auf. Riehen dürfe stolz sein, ein solches Orchester zu beherbergen. Haueter revanchierte sich, indem er dem Ochester zum gelungenen Auftritt gratulierte - schöne Gesten am Ende eines hochstehenden Musikabends am vergangenen Samstag in der Dorfkirche Riehen.

Wahre Beifallsstürme erntete der Bettinger Rudolf Duthaler. Er spielte die Soli des Konzertes für Oboe und Orchester in C-Dur, das Joseph Haydn zugeschrieben wird, dessen Originalpartitur aber als verschollen gilt. Es gibt zwei Abschriften des Werkes, die in Wien und Dresden aufbewahrt werden. Egal ob echt oder nicht, das Werk hat hohe musikalische Qualität, die Vor- und Zwischenspiele des Orchesters sind für frühklassische Solokonzerte unüblich lang. Höhepunkt war das «Andante» in der Mitte mit einer wunderschönen Oboenmelodie. Duthaler wirkte bemerkenswert ruhig und aufmerksam, hörte sehr genau auf das Orchester und überzeugte duch eine fantastische, kaum einmal hörbare Atemtechnik. Als Zugabe folgte der dritte Satz des Werkes am Ende gleich nochmals.

Begonnen hatte der Konzertabend mit der Ouvertüre zu Wolfgang Amadeus Mozarts Oper «La clemenza di Tito» («Die Milde des Titus»). Das Orchester wirkte von Anfang an sehr konzentriert und spielte ausserordentlich präzis und temposicher. Obwohl sichtlich nervös, schaffte es der polnische Dirigent Jan Sosinski mit seiner überschwänglich-herzlichen und ungeheuer motivierenden Art, dem Orchester noch mehr Kompaktheit als bisher zu geben. Das fast ausschliesslich aus Laien zusammengesetzte Ensemble hat in seiner Entwicklung gegenüber früheren Konzerten einen weiteren Schritt vorwärts getan.

Einen starken Auftritt hatte danach die junge Flötistin Vera Leibacher, die dem Orchester wie Rudolf Duthaler seit dessen Gründung im März 2004 angehört. Sie spielte den Solopart im Konzert für Flöte und Orchester Nummer 2 in D-Dur von François Devienne. Ihre Fingertechnik überzeugte in den schnellen, filigranen Sololäufen. Sie spielte gefühlvoll und variierte die Tempi gekonnt - im Gegensatz zum Spiel wirkte ihre Mimik manchmal beinahe unzufrieden. Ihre offensichtliche Nervosität schlug in ihrem Flötenspiel aber nicht nieder. Zuweilen kam die junge Flötistin etwas in Atemnot.

Nach einer kurzen Pause spielte das Orchester ohne Soloinstrument Johann Christian Bach Sinfonia Es-Dur Opus 9 Nummer 2. Höhepunkt das Werkes aus der Feder des jüngsten Sohn Johann Sebastian Bachs war das «Andante» mit teils rhythmisch gezupften Geigen und Celli.

Mit dem Programm blieb das Orchester einem Motto treu, unbekanntere und selten gespielte Werkezu intonieren. Das selbe Programm bot das Orchester am vergangenen Sonntag in der Reformierten Kirche Arlesheim.

Im September wird das Ochester ein weiteres, sehr anspruchvolles Programm präsentieren. Gespielt werden am 8. September im Saal des Landgasthofes zwei Slawische Tänze von Dvorák, eine Walzer-Fantasie von Glinka, zwei ungarische Tänze von Brahms, Balletmusik aus Gounots «Margarethe» sowie Beethovens Romanze in F-Dur mit Jan Sosinski als Sologeiger. Man darf gespannt sein!

Rolf Spriessler

Riehener Zeitung vom 30. März 2007



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