philharmonisches orchester riehen


Beachtliche Klangkultur

Symphonisches Orchester Riehen im zweiten Konzertprojekt / Elan und differenziertes Spiel

Sie sind gerade mal ein Jahr jung, haben aber schon eine ganz beachliche Klangkultur entwckelt: Das 2004 gegründete Philharmonische Orchester Riehen trat jetzt mit seinem zweiten Konzertprojekt an die Öffentlichkeit. Und das Programm in der Kornfeldkirche Riehen mit Werken von Bruckner, Beethoven, Grieg und Bizet war sehr ansprechend. Auch die Interpretationen verrieten, dass in diesem Amateurorchester unter Leitung von Brunetto d'Arco ein erfrreulich differenzierter Streicher- und Bläserklang herrscht. An Einsatzfreude, Elan und engagiertem Spiel mangelt es ebenfalls nicht.

Außerdem geht das Philharmonische Orchester ungewöhnliche Wege und bringt zwei Künste zusammen: Musik und Malerei. Die junge Kunststudenin Sabine Hertig, die im Orchester mitspielt, hat aus der Beschäftigung mit Musik heraus eine Art Bilderfries geschaffen. Wie ein Band zieht sich ihr "bildnerisches Tagebuch" an den Wänden der Kirche entlang, Gleich einem fortlaufenden Panorama entfalten sich darin Landschaftliches, Köpfe, geisterhfte Gesichter, Licht und Schatten, farbige und schwarz-weiße Bilder-Kontraste, die es auch in der Musik gibt. So konnte man durchaus Assoziationen zu den Orchesterklängen herstellen. Das Orchester mit dem polnischen Berufsmusiker Jan Sosinski als Konzertmeister ließ schon in den drei Orchesterstücken und dem Marsch in d-Moll von Bruckner den Orchesterklang gewaltig aufbranden. Über welch stattlichen Streicherklang und welch gute Bläser die Riehener verfügen, hörte man auch in der "Egmont"-Ouvertüre von Beethoven. Da wurden die leidenschaftlichen Kämpfe, der Freiheitsdrang, das ganze Seelendrama des Helden musikalisch nachvollzogen. Zu richtigen Klangmalern wurden die Musiker in vier Stücken aus den ,,Peer Gynt''-Orchestersuiten von Edvard Grieg.

Nach der Pause hatte sich das Philharmonische Orchester die C-Dur-Sinfonie von Bizet vorgenommen: ein Jugendwerk des Komponisten, aus dem unverbrauchte Frische, ungestüme Kraft und Lebensfreude spricht. All dies brachte das Orchester unter dem pointierten Dirigat von Brunetto d'Arco (Übrigens der Künstlername von Bruno Haueter) in sprühender Spielfreude, Vitalität und Verve zur Geltung. Ein kostbarer Moment innerhalb dieser lebendigen Aufführung war der elegische Gesang der Oboe über dem zarten Streicher-Pizzicato im Adagio, bevor einen wieder der Allegro-Schwung des Finales mitriss.

Roswitha Frey

Badische Zeitung vom 23. April 2005



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